Chronologie des Schreckens
10.04.2007
Unter dramatischen Umständen flüchte ich mit meiner dreijährigen Tochter Luzia ins Frauenhaus, da ich um unser Leben fürchte.
11.04.2007Der Vater stellt einen Eilantrag, das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf ihn zu übertragen.
Begründung: er befürchtet, dass ich mich mit meiner Tochter ins Ausland absetze…
Juli 2007
Umzug in eine eigene Wohnung; der Vater erhält begleitenden Umgang mit Luzia.
11.08.2007
14-tägiges Umgangsrecht für den Vater von samstags 10.00 Uhr bis sonntags 18.00 Uhr
plus jedes Wochenende am Samstag.
24.01.2008
Mir wird das vorläufige Aufenthaltsrecht für Luzia vom Gericht zugesprochen.
Und es ergeht folgender Beschluss: Vater holt freitags Luzia vom Kindergarten ab und bringt sie montags wieder dorthin.
01.02.2008
Freitag: das erste Besuchswochenende beginnt.
Ich kann die beiden das ganze Wochenende nicht erreichen und befürchte das Schlimmste.
04.02.2008
Luzia wird entgegen des Beschlusses nicht in den Kindergarten gebracht.
Mein Verdacht bestätigt sich! Auch der Vater ist nicht zur Arbeit erschienen.
Ich verständige die örtliche Polizei und erstatte Strafanzeige wegen Kindesentführung.
2 Wochen später:
Erst jetzt wird die Kriminalpolizei eingeschaltet.
Kurz davor am 11.02.2008
In meiner Verzweiflung wende ich mich an eine Detektei, die auf Kindesentführung
spezialisiert ist.
Ein paar Tage später:
Auf Grund von Hinweisen aus dem Umfeld des Vaters ermittelt der Detektiv, dass auf einer
Passagierliste eines Frachtschiffes von Antwerpen in Richtung Antillen die Namen des Vaters
und Luzia eingetragen sind. (Im Nachhinein stellt sich heraus, dass der Vater mit Absicht eine
falsche Fährte gelegt wurde)
18.02.2008
Ermittlungsverfahren wegen Kindesentzugs wird von der Staatsanwaltschaft Würzburg
vorläufig eingestellt: wegen unbekannten Aufenthalts des Beschuldigten!
15.02. - 16.02.2008
Mein Detektiv überwacht den Hafen in Antwerpen, aber Vater und Luzia erscheinen nicht.
Parallel habe ich mit meiner Freundin das Ferienhaus des Vaters in Rotterdam kontrolliert.
29.02.-02.03.2008
Wieder Überwachung des Hafens durch Detektiv und Zivilpolizei; und Durchsuchung des
Schiffes. Vater und Luzia sind nicht an Bord.
07.03.2008
Fax aus der Türkei an den Rechtsanwalt des Vaters: Vater und Luzia sind in Izmir.
Vater hat am 05.03. bei einem türkischen Familiengericht die Scheidung eingereicht.
Mein Rechtsanwalt wendet sich sofort an den zuständigen Richter des Amtsgerichtes Würzburg und teilt ihm dieses mit.
10.03.2008
Brief vom Anwalt an das Bundesamt für Justiz und Antrag auf Rückführung nach dem Haager Übereinkommen.
14.03.2008
Beschluss des Amtsgerichtes Würzburg über die Widerrechtlichkeit der Ausreise von Vater und Tochter (Kindesentzug)
19.03.2008
Antwort des Bundesamtes für Justiz:
die Entscheidung über meinen Rückführungsantrag führt die Behörde des ersuchten Staates
aus - das heißt die Türkei!
21.03.-24.03.2008
Da bisher von der türkischen Polizei der Aufenthaltsort von Vater und Luzia nicht überprüft wurde, fliegt mein Schwager in die Türkei und kontrolliert.
02.04.-09.04.2008
Ich fliege mit dem von mir engagierten Detektiv nach Izmir und suche nach einer Möglichkeit,
meine Tochter zu sehen, eventuell mit ihr in die deutsche Botschaft zu flüchten.
Ohne Gefährdung des Kindes bestand aber keine Chance. Luzia wird morgens von ihrem Vater in den Kindergarten gebracht und abends wieder abgeholt, sie wird streng überwacht.
03.06.-06.06.2008 Flug nach Izmir, da am 05.06. das türkische Familiengericht den Antrag auf Rückführung verhandelt. Ich sehe zum ersten Mal seit vier Monaten mein Kind wieder! Für nicht mal 2 Stunden in Anwesenheit von zwei Anwälten, einem Beamten, einem Polizisten, einem Psychologen und zwei Kindergärtnerinnen. Vor dem Gericht sagt der Anwalt des Vaters: „Da er gegenwärtig in der Türkei arbeitet, war er gezwungen, das Kind mit sich zu bringen.“ 16.06.2008 Antrag beim Amtsgericht Würzburg, das alleinige Sorgerecht auf mich zu übertragen. Das Jugendamt unterstützt diesen Antrag. 27.07.-02.08.2008 Meine Eltern, meine Freundin und ich fliegen nach Izmir, da am 29.07. die erste Verhandlung vor der türkischen Behörde stattfindet. Die Verhandlung wird vertagt, da erst ein neues psychologisches Gutachten erstellt werden soll. 28.07.2008 Ich darf Luzia für 2 Stunden im Kindergarten sehen. 29.07.2008 Ich bin noch einmal kurz im Kindergarten, um Luzia zu sehen. 30.07.2008 Verhandlung über die Scheidung in der Türkei ( siehe Beschlüsse und Entscheidungen) August 2008 Ich wende mich in meiner Verzweiflung an die Medien (Fernsehen: Report und Mona Lisa, Zeitungen: Stern und Spiegel) mit der Bitte um Veröffentlichung und der damit verbundenen Hoffnung, diesem Drama ein Ende zu bereiten. Die Medien lehnen ab! 17.08.-20.08.2008 2. Verhandlung vor der türkischen Behörde. Aufgrund des neu erstellten psychologischen Gutachtens entscheidet der Richter, dass Luzia zu mir zurück soll. Der Richter legt auch fest, dass die mögliche Revision gegen dieses Urteil innerhalb von 3 Monaten (November 2008) abgeschlossen sein soll. Ferner entscheidet der Richter, dass Luzia während der Revisionszeit bei ihrem Vater bleibt. Mein Vorschlag, dass ich während dieser Zeit in der Türkei bleibe und Luzia in meiner Obhut bleibt, lehnt er ab! September 2008: Der Vater zieht mit Luzia nach Mersin (syrische Grenze). Ich habe nun gar keine Möglichkeiten mehr, Kontakt zu meiner Tochter aufzunehmen. Ende Dezember 2008: Der Vater meldet sich zurück in Izmir, lebt nun zusammen mit einer der betreuenden Kindergärtnerinnen und Luzia in einer Wohnung. 20.01.2009 Mir wird die Adresse mitgeteilt durch meinen Rechtsanwalt in der Türkei. 06.02.2009 Mitteilung des Justizministeriums in Ankara, dass ich Kontakt mit meiner Tochter aufnehmen kann . 20.02.-22.02.2009 Ich fliege in die Türkei mit vielen Geschenken für meine Tochter – noch von Weihnachten. Ich freue mich wahnsinnig. Von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr darf ich mit meiner Tochter zusammen sein. Und dann ist es endlich soweit! Ich darf das Grundstück nicht betreten, muss an der Gartenpforte stehen bleiben, weil der Vater nicht erlaubt, dass ich hinein komme. Luzia, der Vater und seine Freundin treten vor das Haus und Luzia sagt: „Du bist nicht meine Mutter. Die hier ist meine Mutter. Denn die hat lange Haare und trägt Röcke. Ich möchte nicht mit Dir kommen.“ 14.05.2009 Demonstration vor dem Auswärtigen Amt in Berlin 15.05.2009 Demonstration vor der türkischen Botschaft in Berlin 11.06.2009 Das türkische Justizministerium informiert den Generalbundesanwalt in Bonn darüber, dass das Kassationsgericht am 28. April 2009 das Urteil vom August 2008 aufgehoben hat. Die Begründung lautet: der Staatsanwalt war bei der Verhandlung nicht anwesend. Seit 1972 giltin der türkischen Rechtsprechung jedoch, dass ein Staatsanwalt nur an strafrechtlichen, nicht an zivilrechtlichen Verfahren teilnehmen muss. Diese Entscheidung ist widerrechtlich!Fazit: mein Antrag auf Rückführung muss erneut verhandelt werden, was etliche Monate in Anspruch nehmen wird. Juni 2009 Ich schreibe offene Briefe an alle Politiker, von denen ich mir Hilfe erhoffe. 03.07. – 05.07.2009 Ich fliege mit meinem Schwager Peter und seinen Töchtern (Luzias Cousinen) Lena und Pia nach Izmir. Ich habe endlich die richterliche Erlaubnis, Luzia zu besuchen! Ja, ich darf sie sogar am Samstag um 10 Uhr abholen und bis 17 Uhr mit ihr zusammen sein.Ich freu mich! Ihre Cousinen freuen sich! Ihr Onkel freut sich.Im Koffer viele Geschenke, denn Luzia hat am 7. Juli Geburtstag!Pünktlich um 10 Uhr stehen wir an der Pforte des Hauses, in dem Luzia wohnt.Der Vater verbietet Luzia, mich zu begrüßen, sie darf nicht hinaus und ich nicht hinein.Zum Wohle meines Kindes verzichte ich darauf, mein Recht mit Polizeigewalt durchzusetzen.Ohne meine Tochter auch nur von weitem gesehen zu haben, muss ich am nächsten Tag Izmir wieder verlassen. 30.07.2009 Das Familiengericht Karsiyaka bestätigt seine Entscheidung vom August 2008. Es liegt ein Fall von Kindesentziehung nach dem Haager Übereinkommen vor. Das Kind soll zurück zur Mutter nach Deutschland. Der Vater legt erneut Revision ein. 04.11.2009 bis 08.11.2009 Mit meiner Schwester Kathinka fliege ich nach Izmir, um die Schule, die meine Tochter Luzia nun besucht, von außen anzuschauen. Ich habe das große Glück, mein Kind einmal von weitem zu sehen! Am Samstag fahren wir zum Haus von Alexander, damit ich mein Besuchsrecht wahrnehmen kann. Das Einzige, was ich erreichen kann, ist, dass ich mit Luzia für eine Stunde auf den Spielplatz darf – allerdings nur in Begleitung der Freundin von Alexander, der Psychologin und meines Anwalts. In dieser kurzen Zeit ruft Alexander mindestens sechs Mal über Handy seine Freundin an. Luzia spielt völlig ungezwungen mit mir – ich bin glücklich! Die Psychologin sagt, dass Luzia, wenn sie wieder in Deutschland ist, höchstens zwei Monate braucht, um sich einzuleben! Und: das Kind muss weg vom Vater, denn dieser ist krank und benutzt seine Freundin nur für seine Zwecke. 15.01.2010 bis 20.01.2010 Dieses Mal fliegt meine Freundin Sabine mit in die Türkei. Alexander schlägt vor, dass ich mit Luzia ganz allein in den Zoo darf – ohne Begleitung von Polizisten, Anwälten und Psychologen – nur Alexander wartet am Eingang auf uns!. Diese Aussicht ist verlockend und trotzdem lehne ich aus Sicherheitsgründen ab, denn ich weiß nicht, was er vorhat. Als ich ihm mein „Nein“ mitteile, rastet er am Telefon völlig aus. Wir einigen uns darauf, dass mein Anwalt und der Psychologe mich bis zur Haustür begleiten, Alexander dort ein Protokoll unterschreibt, und ich dann mit meiner Freundin Sabine sein Haus betreten darf – er will keine Zeugen im Haus! Ich habe den ganzen Tag mit Luzia gespielt – im Haus und im Garten – und mir ist bewusst, dass ich als Störenfried gesehen werde, da ich für die Erwachsenen nur die biologische Mutter bin; dieser Eindruck verstärkt sich durch die ständige Beobachtung, der ich von der Mutter der Freundin von Alexander ausgesetzt bin. Am Montag fliege ich weiter nach Ankara, da am Dienstag mein Antrag auf Rückführung in Ankara vor Gericht verhandelt wird. Dieses Mal sind fünf Richter anwesend. Ein paar Tage später erfahre ich zu Hause, dass die Rückführung meiner Tochter einstimmig beschieden wird – und Alexander legt wieder Berufung ein und es ist wieder kein Ende in Sicht! 19.02.2010 Flug nach Izmir – dieses Mal mit Heidi, einer Freundin von mir. Spät nachts kommen wir an. Ich habe ganz viele Geschenke für Luzia. DAS DRAMA WIRD EINE TRAGÖDIE 20.02.2010 Um 10.30 Uhr warten mein Anwalt, der Psychologe, eine Polizeibeamtin und der Dolmetscher oben an der Straße vor Alexanders Haus. Ich gehe zum Haus und Alexander kommt mir das erste Mal lachend entgegen. Auch den Dolmetscher lächelt er beim Unterschreiben des Protokolls freundlich an. Meine Freundin Heidi und ich gehen mit ihm ins Haus – ich bin voller Vorfreude auf mein Kind! Cehavir (seine Freundin) und Luzia erwarten uns. Luzia möchte sofort ihre Geschenke auspacken – der große Karton, der eine Puppe enthält, reizt sie am meisten…Gar nicht so einfach, so etwas auszupacken! Alexander gibt mir gleich ein großes Küchenmesser zum Öffnen des Kartons. Luzia ist beim Spielen sehr müde, da sie am Abend vorher auf einem Kindergeburtstag war. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft will zum Spielen ins Haus – sie darf nur samstags spielen und war beim meinem letzten Besuch auch schon da. Sie ist wirklich sehr nett! Alexander lässt das Mädchen durch seine Freundin Cehavir nach Hause schicken – sie soll am Abend wieder kommen ! Cehavir und Alexander flüstern leise in der Küche. Ich möchte mit Luzia im Vorgarten Seifenblasen machen und Luftballons aufblasen, die ich mitgebracht habe, aber Alex verbietet es uns mehrmals. Im zweiten Stock auf der Terrasse dürfen wir spielen. Alexander lässt uns nie aus den Augen. Heidi, meine Freundin, bleibt unten bei Alexanders Freundin, um mir Zeit mit meinem Kind zu gönnen. Luzie, malst Du mir ein Bild, das ich mit nach Deutschland nehmen kann? Wir wollen im Wohnzimmer malen, aber Alexander meint, es ist im Atelier besser. Dort beobachtet er uns ständig rauchend durch die Terrassentür. Kurz vor 16.00 Uhr fängt er an, laut mit mir zu schimpfen und zu fragen, ob ich Luzia wirklich mit Gewalt aus der Türkei bringen will, da ich schon wieder ein einstimmiges Urteil in Ankara für mich erhalten habe. Ich bitte ihn eindringlich, nicht in Luzias Anwesenheit darüber zu reden, da es Luzia schadet. Er stößt das Kind grob aus dem Zimmer und befiehlt ihr, nach unten zu gehen. Alexander steht vor der offenen Zimmertür und greift auf einmal das gleiche Messer, welches ich zuvor 2 Stockwerke tiefer zum Öffnen der Geschenke benutzen durfte. Er greift es mit zwei Händen, ich stehe drei Meter vor ihm und habe Angst, dass er mich umbringen will. Laut auf mich einredend, dass ich Luzia nicht mit nach Deutschland nehmen darf, sticht er sehr langsam und behutsam durch die Kleidung in seine linke untere Bauchseite. Mehrmals schreie ich nach seiner Freundin, aber Luzia kommt, sieht das Messer im Bauch und das Blut an seiner Hand. Alexander sagt ihr, dass ich es war! Luzia schreit und tritt nach mir. Alexander, Luzia und ich stürmen die Treppe herunter – Cehavir hat sich trotz meiner verzweifelten Hilfeschreie noch nicht von ihrem Sofa erhoben und macht einen gespielt fragenden Blick. Alexander brüllt sie an, dass sie Luzia nehmen soll, sie gehen alle zur Polizei. Zu dritt stürmen sie aus dem Haus. Heidi und ich verlassen sofort das Haus; ich bin völlig fassungslos und rufe hilflos inDeutschland an, weil ich nicht weiß, was ich tun soll. Mir wird geraten, sofort zur Polizei zu gehen und den Sachverhalt zu schildern. Wir rufen uns ein Taxi und fahren zur Polizei. Dort steht schon der Ambulanzwagen. Heidi und ich machen unsere Aussage. Cehavir, ihr Vater und Luzia sitzen draußen im Polizeiauto. Die Mutter ist nicht dabei – sie kann sehr gut deutsch. Ich gehe zu Luzia und sage noch einmal, dass ich ihren Vater nicht verletzt habe. Mein Kind spuckt mir ins Gesicht! Dann werde ich ins Krankenhaus gefahren, um untersucht zu werden – den Oberkörper muss ich zum Anschauen frei machen, wobei ich den BH anbehalten darf. Danach fahren wir zu einer anderen, zuständigen Polizeistation. Vor Ort sind bereits Cehavir, Ihr Vater, Luzia und Alexanders Anwalt, der behauptet, mit meinem Anwalt vor einer Stunde gesprochen zu haben. Ich hingegen kann meinen Anwalt nicht erreichen, weil er am Flughafen ist, um seine Frau abzuholen. Alexanders Anwalt bietet mir an, meine Aussage bei ihm zu machen, was ich natürlich ablehne. Meine Schwester Kathinka hat aus Deutschland einen Dolmetscher benachrichtigt, der um 20.00 Uhr kommt. Um 22.00 Uhr mache ich meine Aussage vor den Polizeibeamten und meinem Anwalt. Danach werde ich zu einer anderen Polizeistation gebracht, in der ich die Nacht verbringe. Gegen 2.00 Uhr verabschieden sich mein Anwalt, der Dolmetscher und Heidi, die nach Deutschland zurückfliegen darf. 21.02.2010 Am Sonntag werden mir auf einer weiteren Polizeistation Fingerabdrücke abgenommen. Um 12.00 Uhr bin ich mit Anwalt und Dolmetscher im Gericht, um 13.30 Uhr beim Richter, der mich frei lässt, da er es eigenartig findet, dass Alexander zuerst zur Polizei und dann zum Arzt gegangen ist. Glücklich verlasse ich das Gerichtsgebäude und werde draußen von sehr viel Presse empfangen. Die Polizei fährt mich zur Ausländerbehörde, und ich freue mich schon auf den Heimflug, den meine Schwester mir aus Deutschland bereits gebucht hat. In der Ausländerbehörde erfahre ich, dass die Ausreise noch 2 bis 3 Tage dauern wird, da heute Sonntag ist und die Behörden länger brauchen. Mein Handy-Akku ist leer, keine Verbindung zu Familie und Angehörigen mehr, bin außerhalb von Izmir ohne Ahnung, wo genau. Ich habe nur noch Angst. Ich komme in ein Abschiebegefängnis. In unserem Zimmer sind 12 Frauen aus der ganzen Welt. 22.02.2010 Montag bekomme ich die Nachricht, dass ich Dienstag ausreisen darf – um 13.30 Uhr werde ich von Polizisten bis ins Flugzeug begleitet. Und mein Kind lebt immer noch bei diesem Psychopathen! Und wird weiterhin mindestens psychisch missbraucht.
Anfang März 2010
Aufgrund der letzten Vorfälle schalte ich in meiner Verzweiflung einen weiteren Rechtsanwalt – Herrn Tuncel- ein, dieser ist türkischer Herkunft und sitzt im Norden Deutschlands.
Herr Tuncel ist entsetzt über das bisherige Verfahren und sieht keinen rechtlichen Grund, aus welchem das weitere Zurückhalten des Kindes in der Türkei auch nur ansatzweise berechtigt wäre.
Er wendet sich an das Bundesamt für Justiz und an die Staatsanwaltschaft und nimmt Kontakt zu meinem Anwalt vor Ort - Herrn Egemen- in Izmir auf.
05.04.2010
Das Familiengericht in Karsiyaka ordnet die Obhut von Luzia an. Mitarbeiter des türkischen Sozialdienstes fahren in Luzias Schule. Dort entsteht eine Diskussion mit dem Personal der Schule. Der richterliche Beschluss wird nicht umgesetzt! Luzia wird nicht in Obhut genommen!
03.05.2010
Montag Vormittag bekomme ich einen Anruf von Herrn Egemen: Lucia wird nun endgültig in Obhut genommen! Wird diesesmal der richterliche Beschluss wirklich umgesetzt? Wird Luzia endlich in Sicherheit gebracht?
Gleichzeitig teilt er mir mit, dass wir uns auf den Weg machen sollen, da Luzia am Mittwoch zurück nach Deutschland darf.
Nachdem klar war, dass ich nicht mehr in die Türkei einreisen darf, habe ich auf Anraten von Herrn Egemen in Deutschland alle Papiere vorbereiten lassen, die nötig sind, damit meine Schwester Kathinka mein Kind abholen darf: notarielle Beglaubigungen mussten ins Türkische von einem zugelassenen Dolmetscher übersetzt werden und vieles mehr.
Da dieses bereits erledigt war, buchen wir auf die Schnelle einen Flug in die Türkei für den darauf folgenden Tag.
Nachmittags kommt ein erster kleiner Erfolg: Luzia ist in Sicherheit in einem türkischen Kinderheim.
05.05.2010
Um 1.00 Uhr morgens kommen Kathinka und ihr Mann Peter im Hotel in Izmir an.
Der Termin beim Familiengericht ist bereits acht Stunden später – um 9.00 Uhr morgens.
Dort treffen sie auf Herrn Egemen, der noch das doppelte Ausreiseverbot aufheben lassen muss – dieses Verbot wurde damals von uns zum Schutz von Luzia beantragt; der Vater sollte nicht mit ihr fliehen können. Jetzt will der gegnerische Anwalt dieses Ausreiseverbot dazu benutzen, die Rückkehr von Luzia nach Deutschland zu verhindern.
Der Richter, der diese Aufhebung unterzeichnen kann, hat bis 12.30 Uhr eine Sitzung, und der Flieger zurück geht um 15.15 Uhr!
Herr Egemen erkennt den Zeitdruck und wagt es, den Richter in seiner Sitzung zu unterbrechen – und: er bekommt die Unterschrift!
Durch Druck aus Deutschland kommen zwei Damen vom deutschen Konsulat hinzu.
Ebenso erscheint ein Psychologe, obwohl das Gutachten, welches die Rückkehr zur Mutter belegt, bereits erstellt ist..
Um 11.40 Uhr fahren alle zum Kinderheim, welches von Reportern belagert ist.
Meinte das der gegnerische Anwalt mit seiner Aussage „Wir haben noch eine Überraschung für Euch“?
Polizisten sind zu unserem Schutz bereits vor Ort.
Im Vorraum wird uns der Heimleiter vorgestellt.
Ich gehe mit Herrn Egemen in einen hinteren Raum, in dem sich der gegnerische Anwalt und Alexander und seine Freundin befinden.
Der gegnerische Anwalt ist mit dem vom Gericht gestellten Psychologen nicht einverstanden. Per Telefon fordert Herr Egemen einen zweiten Psychologen an. Wieder warten! Und dann wird die Erstellung des Gutachtens mindestens eine Stunde dauern, und wir kennen den Inhalt noch nicht!
Mittlerweile ist es 13.00 Uhr!
Zwei Damen vom Sozialdienst, die während der Wartezeit mit Luzia gesprochen haben, erscheinen und sprechen mit Herrn Egemen.
Dieser berichtet anschließend Kathinka, dass es ein Problem gibt:
Luzia sei in keiner guten körperlichen Verfassung. Sie habe seit 2 bis 3 Tagen weder gegessen und kaum getrunken. Zur Toilette sei sie ebenfalls nicht gewesen. In diesem Zusatnd kann sie nicht nach Deutschland ausreisen.
Kathinka ist geschockt, geht in den anderen Raum zu ihrem Mann und berichtet ihm.
Peter schaut sie völlig verständnislos an und sagt, dass die nette Dame vom Heim ihm zuvor das genaue Gegenteil berichtet hat. Luzia hat sich sehr gut eingefügt.
Daraufhin wendet sich Kathinka an die Damen vom Konsulat und bittet sie darum, den Sachverhalt Herrn Egemen mitzuteilen.
Der Heimleiter erscheint ebenfalls und bestätigt ausdrücklich Luzias guten körperlichen Zustand.
In der Zwischenzeit ist der Psychologe bei Luzia, die in einem separaten Trakt, welcher nur mit Sicherheitskarte betreten werden kann, untergebracht ist.
Um 14.00 Uhr erscheint der Psychologe und anhand der Gesten der gegnerischen Seite wissen wir: Luzia darf zurück nach Deutschland!
Alexander und seine Freundin müssen das heim verlassen, aber er darf sich noch von seiner Tochter verabschieden.
Das Gutachten muss nun noch geschrieben werden.
Es ist 14.30 Uhr. Der Flieger geht um 15.15 Uhr!
Die beiden Damen vom Konsulat rufen den Flughafen an und lassen unsere Tickets vorab einchecken; hierbei erfahren sie, dass der Flieger eine Viertelstunde Verspätung hat.
Kurz vor 15.00 Uhr ist das Protokoll fertig, alle unterschreiben.
Jetzt endlich darf Kathinka zu Luzia!
In Begleitung von Polizisten und einer Psychologin werden wir durch einen Hinterausgang geführt, wo bereits zwei Wagen auf uns warten, welche uns zum Flughafen fahren..
Luzia wehrt sich vehement: sie schreit und spuckt und tritt.
Sie fahren getrennt: Peter mit Herrn Egemen und einem Polizisten; Kathinka mit Luzia, ihrer Betreuerin, einer kleinen Freundin, der Psychologin und auch einem Polizisten.
Mittlerweile ist es 15.15 Uhr!
Die Damen vom Konsulat und Herr Egemen versuchen, die vielen Reporter abzulenken, die Alexander dorthin aufgehetzt hatte.
Viele Menschen rennen auf das Auto zu, mittendrin Alexander und seine Freundin; sie treten und schlagen gegen das Auto, die Freundin rennt schreiend hinter dem Auto her.
Der Wagen mit Kathinka und Luzia erreicht um 15.40 Uhr den Flughafen.
Eigentlich soll der Flieger bereits gestartet sein, aber die Damen vom Konsulat teilen uns mit, dass das Flugzeug auf alle wartet.
Und dann noch eine Schikane: am Schalter will man sie nicht passieren lassen, da Kathinka nicht die leibliche Mutter ist – die Papiere sind korrekt! Herr Egemen schaltet sich ein. Da Luzias Papiere zur Ausreise unvollständig sind, müssen sie eine Strafe zahlen! Das noch vorhandene türkisches Geld reicht nicht mehr! Die Dame vom Konsulat läuft quer durch den ganzen Flughafen zur Wechselstube! Aber jetzt fehlt noch die Quittung, der Beleg, dass die Strafe auch wirklich bezahlt wurde! Peter rennt los, abermals erfolgt ein Gerenne durch den Flughafen. Um 16.15 Uhr sitzen Kathinka, Peter und Luzia endlich im Flieger!
Peter und Kathinka sind überglücklich, obwohl ihnen beim Anblick des schreienden Kindes das Herz weh tut. Was hat Alexander diesem Kind nur angetan?
Der Flug ist anstrengend: Alexander hat beim Abschied von Luzia erzählt, dass er sie in 5 bis 6 Tagen wieder abholt und sie in Deutschland nur Urlaub macht.
Ständig hält sie Kathinka ihre kleinen Finger vors Gesicht und zählt ab, wie lange 5 bis 6 Tage dauern.
Am Frankfurter Flughafen werden sie von 2 Polizisten und einer Dame vom Jugendamt in Empfang genommen, die sie vor den Reportern schützen.
Katinka drückt Luzia an sich und hat nur noch einen Gedanken:
Luzia wird ausschließlich an ihre Mutter Anuschka übergeben!
In einem separaten Raum treffe ich – Anuschka – dann endlich meine Tochter.
ICH HABE MEINE TOCHTER ZURÜCK!
Anmerkung vom Team: Um alle Interessierten erst einmal über die Neuigkeiten zu informieren, haben wir – das Team um Anuschka – den Bericht über die geglückte Rückführung nach Deutschland verfasst.
Anuschka wird zu gegebener Zeit ihre Eindrücke und Gefühle schildern; zur Zeit kümmert sie sich ausschließlich um ihre Tochter und versucht, die angerichteten seelischen Schäden und versuchten Manipulationen durch Liebe und Geduld aufzufangen.






