Mein Weg ins Frauenhaus
Während der Schwangerschaft zeigt sich Alexander von einer anderen Seite.
2002 feiern wir gemeinsam mit seinen zwei Schwestern und dem kleinen Neffen den Weihnachtsabend bei uns.. Beim Essen bittet eine Schwester, das Fenster schließen zu dürfen. Aus heiterem Himmel brüllt Alexander los: „Alle blonden Frauen sind gleich!“ (seine Exfrau ist blond). Ich war erschrocken über diesen völlig grundlosen Zornesausbruch.
Als Luzia ein paar Monate alt ist, steht für mich fest, dass ich mit Alexander nicht glücklich werden kann. Seine Gefühlskälte mir gegenüber macht mir zu schaffen. Ich versuche mit ihm zu reden und schlage ihm eine friedliche Trennung vor. Für Luzia sollen Vater und Mutter erhalten bleiben.
Er reagiert aggressiv, brüllt mich an, zerschlägt mit der Faust einen Spiegel, während die kleine Luzia in seiner anderen Armbeuge liegt. Er sagt ganz deutlich: „Luzia bleibt bei mir!“
Sich friedlich zu trennen, wird nicht einfach, so versuche ich in der Hoffnung, dass sich doch noch alles zum Guten wendet, die Beziehung aufrecht zu erhalten.
Ich nehme mir keine Zeit zum Nachdenken, sondern flüchte mich in die Hausarbeit, führe kleine Renovierungsarbeiten am Haus durch und natürlich steht pünktlich um 17.20 Uhr das Essen auf dem Tisch.
Im September 2004 muss ich mich einer Hüftoperation unterziehen. Ich habe für die Zeit meines Krankenhausaufenthaltes für Luzia alles vorgekocht und eingefroren, da es mir wichtig ist, dass sie keine Gläschenkost bekommt. Für Alexander ist auch gesorgt: er besucht mich jeden Tag mit Luzia und isst mein Krankenhausessen!
Ich verlasse das Krankenhaus auf eigenen Wunsch bereits nach 7 Tagen, da ich zu meiner Tochter will. Entlastung im Haushalt gibt es nicht, aber Alexander kassiert von der Krankenkasse als Haushaltshilfe.
Im Dezember 2004 fahren wir zum Kreisjugendamt. Alexander will eine Unterschrift von mir, damit er für Luzias Belange unterschreiben darf, denn wir sind nicht verheiratet.
Die Beamtin erklärt mir, dass meine Unterschrift das gemeinsame Sorgerecht betrifft.
Sie ist sehr erstaunt, als sie merkt, dass ich von der Tragweite meiner Unterschrift keinerlei Ahnung habe und weist mich darauf hin, mir in aller Ruhe die Sachlage zu überlegen. Zur Unterschrift zwingen kann man mich nicht. Alexander sitzt neben mir, die kleine Luzia auf dem Schoß, den Blick drohend auf mich gerichtet.
Ich unterschreibe – ein schrecklicher Fehler!
Bei Familienmitglieder und Freunden ist Alexander Vater pur. Luzia ist fast nur bei ihm auf dem Arm. Er zeigt ganz stolz seinen Besitz.
Wir besuchen meine Schwester und ihre Familie. Luzia spielt gerne mit ihren zwei Cousinen und ihrem Cousin. Meine Schwester lädt sie ein, bei ihnen zu übernachten. Alexander sagt: „Dann schlafe ich aber vor der Tür!“
Zu Hause schläft Luzia zwischen uns, weil es Alexander so will. Im Schlafzimmer steht ein eigenes Bett für meine Tochter, in welchem sie schlafen möchte. Der Vater verbietet es.
Morgens wache ich auf, neben einem Mann, der mich nie gehen lassen wird, jedenfalls nicht mit Luzia. Aber ohne meine Tochter werde ich niemals gehen! Ich versuche unsere Beziehung als eine Art Wohngemeinschaft zu führen.
Im Frühjahr 2005 bedrängt er mich täglich, dass ich ihn heiraten soll.
Seine Begründung für eine Heirat sind 1. Geld und 2. Luzia.
Während unseres gesamten Zusammenlebens wird immer zuerst mein Konto – Kindergeld, Unterstützung der Eltern, Geld für Steinmetzarbeiten – für die Lebenshaltungskosten geleert. Erst wenn mein Konto leer ist, geht Alexander an sein Konto. Ersparnisse kann ich nicht bilden.
Alexander spielt für außen heile Familie, obwohl wir uns auf eine WG geeinigt haben.
Ich ziehe mich vollkommen zurück, gehe nur noch einkaufen, arbeiten und Luzia in den Kindergarten bringen. Ich werde immer dünner.
Zu einem Grillabend darf ich meine Freundin nicht einladen.
Er versucht, alle Kontakte, die ich noch nach außen habe, durch Intrigen zu unterbinden.
Luzia und ich dürfen nicht zu Kindergeburtstagen gehen.
Ich möchte mit Luzia meine Mutter besuchen. Alexander verbietet es mir.
Im September 2006 beginnt mein Rheuma. Alle Gelenke schwellen an, schon die kleinste Bewegung ist schmerzhaft. Meine Bildhauerarbeiten stelle ich ein. Alexander unterstützt mich im Haushalt überhaupt nicht. Die neue Holzlieferung für unseren Ofen stapele ich alleine auf.
Mein Traum ist eine Spülmaschine. Alexander dazu: “Wenn hier eine Spülmaschine herkommt, dann in den Keller“
Ich frage nach einem Boiler für warmes Wasser, welches es nur im Badezimmer gibt.
Alexander zu diesem Wunsch: “Mein Opa hat hier mit kaltem Wasser gearbeitet, da kannst du das auch.“
Wieder wird mir klar: „Ich muss hier raus, ich muss endlich gehen!“ Und ich sage es ihm. Alexander: „Du kannst gehen, aber ohne die Luzia!“
Und dann: „Dieses Problem kann man auch anders lösen.“
Erneut steht eine OP an. Mein Rheumatologe erkennt bei den Untersuchungen, dass ich eine Staublunge habe. Ein Stück Lunge wird zur genaueren Diagnose entnommen. Wieder werde ich auf eigene Verantwortung entlassen und fühle mich noch sehr schlecht.
Alexander möchte trotzdem Cabrio fahren und lehnt meine Bitte, geschlossen zu fahren, ab.
Als sein bester Freund mir sagt, dass ich so weit wie möglich mit Luzia verschwinden soll, damit ich nicht eines Tages im Main ende, reift mein Entschluss.
Meine Schwester vermittelt mir die Worte Alexanders: „Wenn ich merke, dass Anuschka mit Luzia abhaut, bringe ich Luzia und mich um.“
Mein Entschluss steht fest.
Am 10. April 2007 flüchte ich unter dramatischen Umständen ins Frauenhaus.






