Anfang März 2010
Aufgrund der letzten Vorfälle schalte ich in meiner Verzweiflung einen weiteren Rechtsanwalt – Herrn Tuncel- ein, dieser ist türkischer Herkunft und sitzt im Norden Deutschlands.
Herr Tuncel ist entsetzt über das bisherige Verfahren und sieht keinen rechtlichen Grund, aus welchem das weitere Zurückhalten des Kindes in der Türkei auch nur ansatzweise berechtigt wäre.
Er wendet sich an das Bundesamt für Justiz und an die Staatsanwaltschaft und nimmt Kontakt zu meinem Anwalt vor Ort - Herrn Egemen- in Izmir auf.
05.04.2010
Das Familiengericht in Karsiyaka ordnet die Obhut von Luzia an. Mitarbeiter des türkischen Sozialdienstes fahren in Luzias Schule. Dort entsteht eine Diskussion mit dem Personal der Schule. Der richterliche Beschluss wird nicht umgesetzt! Luzia wird nicht in Obhut genommen!
03.05.2010
Montag Vormittag bekomme ich einen Anruf von Herrn Egemen: Lucia wird nun endgültig in Obhut genommen! Wird diesesmal der richterliche Beschluss wirklich umgesetzt? Wird Luzia endlich in Sicherheit gebracht?
Gleichzeitig teilt er mir mit, dass wir uns auf den Weg machen sollen, da Luzia am Mittwoch zurück nach Deutschland darf.
Nachdem klar war, dass ich nicht mehr in die Türkei einreisen darf, habe ich auf Anraten von Herrn Egemen in Deutschland alle Papiere vorbereiten lassen, die nötig sind, damit meine Schwester Kathinka mein Kind abholen darf: notarielle Beglaubigungen mussten ins Türkische von einem zugelassenen Dolmetscher übersetzt werden und vieles mehr.
Da dieses bereits erledigt war, buchen wir auf die Schnelle einen Flug in die Türkei für den darauf folgenden Tag.
Nachmittags kommt ein erster kleiner Erfolg: Luzia ist in Sicherheit in einem türkischen Kinderheim.
05.05.2010
Um 1.00 Uhr morgens kommen Kathinka und ihr Mann Peter im Hotel in Izmir an.
Der Termin beim Familiengericht ist bereits acht Stunden später – um 9.00 Uhr morgens.
Dort treffen sie auf Herrn Egemen, der noch das doppelte Ausreiseverbot aufheben lassen muss – dieses Verbot wurde damals von uns zum Schutz von Luzia beantragt; der Vater sollte nicht mit ihr fliehen können. Jetzt will der gegnerische Anwalt dieses Ausreiseverbot dazu benutzen, die Rückkehr von Luzia nach Deutschland zu verhindern.
Der Richter, der diese Aufhebung unterzeichnen kann, hat bis 12.30 Uhr eine Sitzung, und der Flieger zurück geht um 15.15 Uhr!
Herr Egemen erkennt den Zeitdruck und wagt es, den Richter in seiner Sitzung zu unterbrechen – und: er bekommt die Unterschrift!
Durch Druck aus Deutschland kommen zwei Damen vom deutschen Konsulat hinzu.
Ebenso erscheint ein Psychologe, obwohl das Gutachten, welches die Rückkehr zur Mutter belegt, bereits erstellt ist..
Um 11.40 Uhr fahren alle zum Kinderheim, welches von Reportern belagert ist.
Meinte das der gegnerische Anwalt mit seiner Aussage „Wir haben noch eine Überraschung für Euch“?
Polizisten sind zu unserem Schutz bereits vor Ort.
Im Vorraum wird uns der Heimleiter vorgestellt.
Ich gehe mit Herrn Egemen in einen hinteren Raum, in dem sich der gegnerische Anwalt und Alexander und seine Freundin befinden.
Der gegnerische Anwalt ist mit dem vom Gericht gestellten Psychologen nicht einverstanden. Per Telefon fordert Herr Egemen einen zweiten Psychologen an. Wieder warten! Und dann wird die Erstellung des Gutachtens mindestens eine Stunde dauern, und wir kennen den Inhalt noch nicht!
Mittlerweile ist es 13.00 Uhr!
Zwei Damen vom Sozialdienst, die während der Wartezeit mit Luzia gesprochen haben, erscheinen und sprechen mit Herrn Egemen.
Dieser berichtet anschließend Kathinka, dass es ein Problem gibt:
Luzia sei in keiner guten körperlichen Verfassung. Sie habe seit 2 bis 3 Tagen weder gegessen und kaum getrunken. Zur Toilette sei sie ebenfalls nicht gewesen. In diesem Zusatnd kann sie nicht nach Deutschland ausreisen.
Kathinka ist geschockt, geht in den anderen Raum zu ihrem Mann und berichtet ihm.
Peter schaut sie völlig verständnislos an und sagt, dass die nette Dame vom Heim ihm zuvor das genaue Gegenteil berichtet hat. Luzia hat sich sehr gut eingefügt.
Daraufhin wendet sich Kathinka an die Damen vom Konsulat und bittet sie darum, den Sachverhalt Herrn Egemen mitzuteilen.
Der Heimleiter erscheint ebenfalls und bestätigt ausdrücklich Luzias guten körperlichen Zustand.
In der Zwischenzeit ist der Psychologe bei Luzia, die in einem separaten Trakt, welcher nur mit Sicherheitskarte betreten werden kann, untergebracht ist.
Um 14.00 Uhr erscheint der Psychologe und anhand der Gesten der gegnerischen Seite wissen wir: Luzia darf zurück nach Deutschland!
Alexander und seine Freundin müssen das Heim verlassen, aber er darf sich noch von seiner Tochter verabschieden.
Jetzt muss noch ein Protokoll über den gesamten Verlauf geschrieben werden!
Es ist 14.30 Uhr. Der Flieger geht um 15.15 Uhr!
Die beiden Damen vom Konsulat rufen den Flughafen an und lassen unsere Tickets vorab einchecken; hierbei erfahren sie, dass der Flieger eine Viertelstunde Verspätung hat.
Kurz vor 15.00 Uhr ist das Protokoll fertig, alle unterschreiben.
Jetzt endlich darf Kathinka zu Luzia!
In Begleitung von Polizisten und einer Psychologin werden wir durch einen Hinterausgang geführt, wo bereits zwei Wagen auf uns warten, welche uns zum Flughafen fahren.
Luzia wehrt sich vehement: sie schreit und spuckt und tritt.
Sie fahren getrennt: Peter mit Herrn Egemen und einem Polizisten; Kathinka mit Luzia, ihrer Betreuerin, einer kleinen Freundin, der Psychologin und auch einem Polizisten.
Mittlerweile ist es 15.15 Uhr!
Die Damen vom Konsulat und Herr Egemen versuchen, die vielen Reporter abzulenken, die Alexander dorthin aufgehetzt hatte.
Viele Menschen rennen auf das Auto zu, mittendrin Alexander und seine Freundin; sie treten und schlagen gegen das Auto, die Freundin rennt schreiend hinter dem Auto her.
Der Wagen mit Kathinka und Luzia erreicht um 15.40 Uhr den Flughafen.
Eigentlich soll der Flieger bereits gestartet sein, aber die Damen vom Konsulat teilen uns mit, dass das Flugzeug auf alle wartet.
Und dann noch eine Schikane: am Schalter will man sie nicht passieren lassen, da Kathinka nicht die leibliche Mutter ist – die Papiere sind korrekt! Herr Egemen schaltet sich ein. Da Luzias Papiere zur Ausreise unvollständig sind, müssen sie eine Strafe zahlen! Das noch vorhandene türkisches Geld reicht nicht mehr! Die Dame vom Konsulat läuft quer durch den ganzen Flughafen zur Wechselstube! Aber jetzt fehlt noch die Quittung, der Beleg, dass die Strafe auch wirklich bezahlt wurde! Peter rennt los, abermals erfolgt ein Gerenne durch den Flughafen.
Um 16.15 Uhr sitzen Kathinka, Peter und Luzia endlich im Flieger!
Peter und Kathinka sind überglücklich, obwohl ihnen beim Anblick des schreienden Kindes das Herz weh tut. Was hat Alexander diesem Kind nur angetan?
Der Flug ist anstrengend: Alexander hat beim Abschied von Luzia erzählt, dass er sie in 5 bis 6 Tagen wieder abholt und sie in Deutschland nur Urlaub macht.
Ständig hält sie Kathinka ihre kleinen Finger vors Gesicht und zählt ab, wie lange 5 bis 6 Tage dauern.
Am Frankfurter Flughafen werden sie von 2 Polizisten und einer Dame vom Jugendamt in Empfang genommen, die sie vor den Reportern schützen.
Katinka drückt Luzia an sich und hat nur noch einen Gedanken:
Luzia wird ausschließlich an ihre Mutter Anuschka übergeben!
In einem separaten Raum treffe ich – Anuschka – dann endlich meiner Tochter.
ICH HABE MEINE TOCHTER ZURÜCK!
Anmerkung vom Team: Um alle Interessierten erst einmal über die Neuigkeiten zu informieren, haben wir – das Team um Anuschka – den Bericht über die geglückte Rückführung nach Deutschland verfasst.
Anuschka wird zu gegebener Zeit ihre Eindrücke und Gefühle schildern; zur Zeit kümmert sie sich ausschließlich um ihre Tochter und versucht, die angerichteten seelischen Schäden und versuchten Manipulationen durch Liebe und Geduld aufzufangen.








